Woche 41

Sonntag:

Wir starten den Tag in Mumbai nach dem Auschecken aus dem Hotel mit einem kleinen Spaziergang und einem Katerfrühstück auf dem berühmten Colaba Causeway.

Danach geht es ein bisschen shoppen.

Cliff ist traurig, dass seine Verhandlungen im Schuhgeschäft nicht erfolgreich waren
Mike’s Fluchtversuch vor einem aufdringlichen Straßenverkäufer 😂

Nach der kleinen Shoppingtour schmeckt das Bier eigentlich schon wieder ganz gut!

Cafe Mondegar

Danach ein obligatorischer Besuch am Gateway of India und ein kleiner Abstecher in den berühmten Taj Palace, bevor wir uns ein letztes gemeinsames Abschiedsgetränk gönnen und uns von Mike und einem wunderschönen Wochenende verabschieden müssen. Mike reist heute Nacht zurück nach Deutschland, unser Flieger bringt uns am frühen Abend wieder nach Vadodara. Es war eine tolle Zeit mit vielen lustigen Erlebnissen und endlosen neuen Eindrücken.

Immer wieder einen Besuch wert – das Taj Hotel am Gateway of India

Am Flughafen angekommen, erfreuen wir uns mal wieder über unsere DigiYatra Registrierung, die uns nervenaufreibendes Anstehen und das Vorzeigen aller möglichen Dokumente komplett erspart und wir Zutritt ausschließlich per Gesichtsscan erhalten.

Kurz vor dem Gate treffen wir unseren CEO aus Schaan und den Präsidenten der Liechtensteiner Industrie- und Handelskammer, die per Zufall auf dem gleichen Flug wie wir sind, da sie für das große morgige Event bei uns am Standort anreisen.

Da unser Flieger um eine Stunde verspätet ist, gehen wir noch gemeinsam in eine Flughafen-Bar und verbringen eine sehr angenehme gemeinsame Zeit zusammen, in der wir uns viel zu erzählen und auch viel zu lachen haben. Kritisch wird es, als der Präsident der Liechtensteiner IHK Cliff aufgrund seines Dialekts für einen Österreicher aus Vorarlberg hält, aber auch dieses Missverständnis lässt sich schnell aus der Welt räumen. 😂

Kurz vor 22 Uhr landen wir in Vadodara, düsen mit dem Taxi nach Hause und versuchen früh ins Bett zu gehen, da wir für den morgigen Besuch des Erbprinzen und der Erbprinzessin aus Liechtenstein fit sein müssen.

Zuhause angekommen noch eine schöne Überraschung: unsere erste Post aus Europa, genau genommen aus Liechtenstein, von Cliff‘s Schwester Evi und Familie. Eine Dankeskarte zur Geburt ihrer Tochter Lucy. Wir freuen uns sehr darüber. 🥰

Unsere Schlaf-Pläne kollidieren geringfügig mit der Partyagenda unserer Hausgemeinschaft, in unserem Hof wird auch nach 22 Uhr noch ausgiebig gefeiert. Wir sind aber ausreichend müde, um die lauten Beats und Bässe zu ignorieren und trotzdem friedlich einzuschlafen.

Montag:

Heute ist der große Tag! Isi steht um 5:30 Uhr auf, da sie noch ein paar Vorbereitungen für den Besuch treffen muss und sich auch ein bisschen hübsch machen will für das große Ereignis.

Sonnenaufgang in Vadodara

Auf dem Werksgelände wimmelt es heute von Polizisten, Spürhunde haben das Gelände ausgiebig abgesucht und jeder einzelne Mitarbeiter wird vor Betreten des Geländes ausgiebig durchsucht. Allen Mitarbeitern werden außerdem ihre Handies abgenommen, damit keine unzulässigen Fotos gemacht werden (nur Cliff und Isi dürfen ihre Handies behalten – warum auch immer 😉).

Isi erfährt kurzfristig, dass sie – zusammen mit unserem Werksleiter – die einzige Person ist, die die Fürstenfamilie in Empfang nehmen darf, wodurch sie sich natürlich sehr geehrt fühlt.

Gegen 10 Uhr ist es soweit. Ein schwarzer BMW fährt vor, vorne und hinten begleitet von je 5 Polizeiautos.

Cliff macht heimlich Bilder aus der Ferne, unser CEO (ganz links im Bild), beschaut das Spektakel neugierig aus der Ferne, Isi steht vorne neben Erbprinzessin Sophie
Bei der Werksführung hält Isi eine Präsentation über unsere Innovationen am Standort Indien…
…und hat es sogar ins lokale TV geschafft

Da Isi über den Tag die Begleiterin von Prinzessin Sophie ist, bekommt sie die Gelegenheit ein paar interessante Gespräche mit ihr zu führen und ist beeindruckt von ihrer Bodenständigkeit. Ebenso beeindruckt ist Prinzessin Sophie über das Abenteuer, in das Cliff und Isi sich in Indien gestürzt haben und sie verabschiedet sich mit den Worten, dass sie auf die Fortsetzung unserer Geschichte sehr gespannt sei.

Witzigerweise gingen die zahllosen Polizisten davon aus, dass Isi die Leibwächterin der Prinzessin sei… 😂

Unsere Gäste verlassen das Werksgelände gegen 14 Uhr und der restliche Nachmittag verläuft ruhig und entspannt, nachdem die ganze Aufregung von uns abgefallen ist.

Dienstag:

Nach dem Besuch in Vadodara ist die Liechtensteiner Fürstenfamilie, inklusive wirtschaftlicher und politischer Gefolgschaft, weiter nach Delhi gereist, wo sie Narendra Modi treffen, um über das Doppelbesteuerungsabkommen und die generellen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Liechtenstein und Indien zu verhandeln.

Unser Werksleiter Giri ist auch dabei – stolz wie Bolle, die Hand von Modi schütteln zu dürfen
Modi bekommt von Erbprinz Alois ein Hilti-Gerät geschenkt

Mittwoch/ Donnerstag:

Business as usual.

Freitag:

Heute wagt Isi es zum ersten Mal, sich für den chaotischen Weg an die Arbeit selbst ans Steuer zu setzen. Es klappt besser als erwartet und auch Cliff bewertet die Fahr-Skills von Isi mit einer soliden 8 von 10.

Volle Konzentration!

Kurz vor dem Mittagessen bekommt Isi von Cliff einen Anruf. Er bittet sie, etwas vorzeitig Mittagessen zu gehen, da er kurz zuvor einen Ausraster im Büro hatte.

Isi bricht sofort auf und trifft in der Kantine auf den sichtlich aufgebrachten Cliff. Dieser berichtet ihr von den Ereignissen: Ein Kollege aus der Produktion hatte in einem Meeting behauptet, dass auf sämtlichen Heißpressen ein bestimmtes Bauteil montiert sei, das einen gleichmäßigen Stromfluss und damit eine konstante Produktqualität gewährleisten solle.

Cliff war völlig verwundert, da er mit Sicherheit sagen könne, dass er während seiner mittlerweile zehnmonatigen Tätigkeit noch nie ein solches Bauteil an auch nur einer einzigen Anlage gesehen habe. Doch der Kollege blieb hartnäckig und beharrte darauf, dass seine Aussage korrekt sei.

Cliff fackelte nicht lange, verließ das Meeting und machte sich direkt auf den Weg in die Produktion, um die Behauptung vor Ort zu überprüfen. An einer der Anlagen traf er auf einen sichtlich nervösen Mitarbeiter, der gerade hektisch versuchte, das besagte Bauteil zu montieren. Auf Cliffs Nachfrage, wer ihn mit dieser Nachrüstung beauftragt habe, erhielt er zunächst keine Antwort.

Cliff ließ nicht locker und überprüfte daraufhin sämtliche Anlagen. Das Ergebnis war eindeutig: Auf keiner einzigen Heißpresse war das fragliche Bauteil montiert.

Nach endlosen Nachforschungen rückte schließlich ein Kollege mit der Wahrheit heraus: Der besagte Mitarbeiter aus der Produktion hatte noch während des Meetings heimlich den Auftrag erteilt, die Anlagen kurzfristig nachzurüsten – offenbar in der Hoffnung, sein Versäumnis noch rechtzeitig zu vertuschen, bevor Cliff es bemerkte.

Das war für Cliff endgültig zu viel. Außer sich vor Wut stellte er den Verantwortlichen zur Rede, bezeichnete ihn vor versammelter Mannschaft als Lügner und ließ seinem Ärger freien Lauf. Schließlich pfefferte er seine Maus auf den Schreibtisch und verließ wutentbrannt das Büro.

Aus diesem Grund beschließen wir, den Arbeitstag heute vorzeitig zu beenden. Nach dem Mittagessen machen wir uns direkt auf den Heimweg. Während Isi von zu Hause aus noch einige Aufgaben im Homeoffice erledigt, versucht Cliff, sich wieder zu beruhigen. Das gelingt ihm allerdings nur sehr langsam – die Ereignisse haben ihn offensichtlich mehr mitgenommen, als ihm lieb ist.

Samstag:

Den Samstag lassen wir überwiegend gemütlich angehen. Neben etwas Hausarbeit steht auch ein kleiner Ausflug zu einem nahegelegenen Bajaj-Händler auf dem Programm. Bajaj ist einer der führenden Hersteller der in Indien allgegenwärtigen und berühmten Tuk-Tuks. Da wir mit dem Gedanken spielen, uns selbst eines anzuschaffen, möchten wir die Gelegenheit nutzen und heute eine kleine Probefahrt unternehmen.

Das Innenleben
Ersatzrad unter dem Fahrersitz
Los geht’s!
Isi gibt sich mit Trockenübungen zufrieden

Wir verabschieden uns vorerst von dem Händler und sagen ihm, dass wir Anfang 2027 zurückkommen. Die Lieferzeiten für die Tuk-Tuks betragen ab Kauf nur wenige Tage. Es gibt sogar spezielle rosa Tuk-Tuks, die nur Frauen kaufen dürfen.

Auf dem Heimweg machen wir noch kurz Halt in einem Supermarkt, um etwas Butter zu kaufen, die dieses Wochenende – warum auch immer – in ganz Vadodara restlos ausverkauft zu sein scheint. Wir haben Glück und finden immerhin noch ein letztes 100g Stück in der hintersten Ecke des Kühlschranks.

Ein typisch indischer Supermarkt – chaotisch, klein, eng und voll bis unters Dach

Den restlichen Abend lassen wir es ruhig angehen, faulenzen ausgiebig und versuchen, die turbulenten Ereignisse der vergangenen Woche hinter uns zu lassen. Gleichzeitig richten wir unseren Blick schon voller Vorfreude auf die kommende Woche, denn am Donnerstag steht unser letzter Arbeitstag an. In Indien wird Diwali, das berühmte Lichterfest, gefeiert. Es gilt als eines der bedeutendsten Feste des Hinduismus und beschert uns eine ganze Woche arbeitsfrei, die wir auf den Andamanen und Nikobaren verbringen werden.

Die Inselgruppe wird aufgrund ihrer traumhaften Strände und des türkisblauen Wassers gerne als die „Malediven Indiens“ bezeichnet. Doch die Region hat noch eine ganz andere, faszinierende Seite: Einige der Inseln werden seit Jahrhunderten von indigenen Gemeinschaften bewohnt, die weitgehend abgeschottet von der Außenwelt leben. Insbesondere die Bewohner von North Sentinel Island schützen ihre Isolation konsequent. Eine Annäherung ist streng verboten und zudem lebensgefährlich. Dahinter steckt nicht nur der verständliche Wunsch, ihr angestammtes Leben zu bewahren, sondern auch ein ernstes gesundheitliches Risiko: Da ihr Immunsystem kaum Kontakt mit den Krankheitserregern der Außenwelt hatte, könnten bereits gewöhnliche Infektionen für die Gemeinschaft verheerende Folgen haben.

Wir hoffen also einfach mal, dass unser Navigationssystem zuverlässig funktioniert und wir bei unserer Anreise nicht versehentlich auf der falschen Insel landen … 😉

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