Woche 38

Sonntag:

Wir verbringen den Nachmittag mit allgemeinen Haushaltsarbeiten, die bereits lange überfällig sind.

Isi ärgert sich heute sehr über unseren Kollegen, der während unseres Aufenthalts in Deutschland und Liechtenstein unsere Blumen gegossen hat, denn heute stellt sie fest, dass er stümperhaft Löcher in alle Indoor-Töpfe gemacht hat, um Staunässe zu vermeiden. Bemerkbar machte es sich darin, dass sich nach dem heutigen (längst fälligen) Gießen verdächtige Pfützen auf unserem Wohnzimmerboden breit machten. Wir kaufen also eine Heißklebepistole zum Stopfen der Löcher und werden das Gießen wohl zukünftig wieder unserer automatischen Gießanlage überlassen…

Während unserer Putzarbeiten beobachten wir unterdessen interessante Geschehnisse in unserer Nachbarschaft…

Nachmittags ist Isi mit ihrer Kollegen-Freundin Pratima zum Badminton verabredet.

Nach dem Badminton geht es noch eine Runde auf den Markt, um ein traditionelles Kleid für das anstehende Volksfest Navratri und die dazugehörigen Garba‘s (Tanzveranstaltungen) zu kaufen.

Damit Isi im Getümmel des Marktes nicht verloren geht, wird sie von Pratima fürsorglich an die Hand genommen und auf geht‘s!

Wir werden fündig und auch für Cliff fällt eine Kurta für die anstehenden Feierlichkeiten ab.

Dieser Dreiteiler kostet umgerechnet ca. 22 €
Cliffs Kurta erstehen wir für ca. 4 €

Nach der erfolgreichen Shoppingtour gönnen wir uns Dosas zum Abendessen und lassen den Sonntag gemütlich ausklingen.

Montag:

Heute ist der große Tag, wir holen unser neues Auto ab! Vorfreude und Aufregung sind riesig!

Vor der Übergabe ein kleiner Dämpfer, wir erfahren, dass die Inhaber unseres Autohauses (Mitte und Rechts im Bild) im vergangenen Jahr bei dem Air India Flug von Ahmedabad nach London kurz nach dem Start verunglückt sind (wer sich erinnert, der Absturz war recht prominent in den Medien, weil ein einziger Passagier überlebt hat, der vermeintlich über den Notausgang geflüchtet ist).

Die Spannung steigt
Die Spannung steigt weiter
Die Spannung steigt ins Unermessliche und die indische Bürokratie lässt allmählich Ungeduld aufkommen…
Die Erlösung – da ist er! 🙂
Zur Autoeinweihung gibt es Kuchen, mit dem wir uns gegenseitig per Hand füttern müssen. Ein indisches Ritual, an das wir uns bis heute nicht gewöhnt haben, aber wir spielen trotzdem mit.

Nachdem alle Formalitäten erledigt sind, begeben wir uns mutig auf den Heimweg.

Cliff ist der Fahrer und Isi übt sich unterdessen darin, eine möglichst entspannte Beifahrerin zu sein (in der Feierabend-Rushhour nicht ganz einfach…).

Wir kommen sicher zu Hause an und Cliff hat seine Jungfernfahrt mit Bravour gemeistert!

Die Farbe des Poojas (das Ritual, um das Auto zu segnen – dazu gehört auch das per Hand aufgemalte Hakenkreuz als Glücksbringer) ist so intensiv, dass sie sich nicht abwaschen lässt- auch nach 3 Tagen hat Isi noch rote Finger

Nach dem Abendessen gehen wir erneut auf Spritztour, diesmal ist Isi an der Reihe! Es läuft ganz gut, wenn da nur nicht Isi‘s über- nervöser Beifahrer Cliff wäre, der sie aus der Ruhe bringt. Auf der Tour erledigen wir unseren ersten Tankstopp und kommen nach knapp 30 Minuten wieder sicher in unserer Tiefgarage an.

Dienstag:

Heute früh wird unser Auto vom selbsternannten Coating-Guru abgeholt, denn es bekommt noch eine schützende Keramik-Beschichtung und einen Unterbodenschutz. Jeder einzelne Schritt wird per Video festgehalten und uns unmittelbar per WhatsApp zugestellt. Das 2-Jahres-Paket kostet gut 200 € und beinhaltet eine jährliche Auffrischung der Beschichtung sowie 2x pro Monat eine Gratis-Wäsche.

Nach der Abholung des Autos bereitet uns Cliff kurz vor Aufbruch zur Arbeit noch einen Protein-Shake im Mixer zu. Leider geht das (mal wieder) schief und der Shake verteilt sich bis in die letzte Ritze in der ganzen Küche. Somit verzögert sich unsere heutige Abreise geringfügig…

Mittwoch:

Nach 6 Monaten der erste „Erfolg“ mit unseren selbstgezüchteten Tomaten. Wir pflücken stolz die erste rote Frucht von einer unserer 14 Pflanzen.

Die Optik passt, der Geschmack lässt zu Wünschen übrig

Nach der Arbeit holen wir unser Auto vom Beschichter ab und bringen es sicher nach Hause.

Donnerstag:

Nach der Arbeit hat Isi mal wieder ein Team-Dinner.

Fancy alkoholfreie Drinks
Statt Alkohol gibt es hier Zucker-Schock

Freitag:

Heute bricht Isi mit 5 weiteren Kollegen geschäftlich nach Tiruchirappalli in Tamil Nadu auf, um am renommierten NIT Trichy (National Institute of Technology) die Trainees für das nächste Jahr auszuwählen.

Während wir auf unsere Kollegin warten, gönnen wir uns eine kleine Trockenfahrt auf ihrem Motorrad

Dann beginnt die lange Reise, 1700 km in den Süden Indiens.

Nach 2,5 h Autofahrt Ankunft am ersten Stop: der Flughafen Ahmedabad.

Männlein und Weiblein müssen hier getrennt durch den Sicherheits-Check
Unsere Kollegin Shweta bemerkt in letzter Sekunde, dass sie auf falschen Pfaden unterwegs ist.

Auf dem Weg nach Ahmedabad empfiehlt Isi‘s Kollegin Dimple ihr heute die App DigiYatra, die für Flugreisen in Indien ein echter Gamechanger ist. Man kann sie nur nutzen, wenn man eine Aadhaar-Karte besitzt, auf die wir 6 Monate warten mussten (typischerweise besitzen sie nur indische Staatsangehörige). In besagter App kann man seine Aadhaar-Nummer verknüpfen, seinen Boardingpass uploaden, und so nur mit Gesichtsscan alle Aktionen erledigen, bei denen man am Flughafen sonst in langen Schlangen für Pass- und Ticketkontrollen stehen müsste.

Dass Isi DigiYatra besitzt und ausschließlich per Gesichtsscan am Flughafen operieren kann, sorgt beim Personal für große Verwirrung. Immer wieder versucht das freundliche Sicherheitspersonal, sie von den Portalen wegzuschicken. Die überraschten Blicke, wenn das Portal dann tatsächlich funktionierte, waren unbezahlbar. In diesem Kontext lernt Isi auch einen neuen Satz auf Hindi: „Maem local humn“ („Ich bin Einheimische“), was für weiter Begeisterungswellen sorgt. 🙂

Auf geht’s!

Nach knapp 3 Stunden Flugzeit kommen wir in Chennai an und wollen uns zur Überbrückung der Wartezeit erstmal ein Bier gönnen. Die Enttäuschung ist groß, als wir an der einzigen Bar des lokalen Flughafens ankommen. Heute sind Wahlen in Tamil Nadu und um Bestechung durch Alkohol zu vermeiden, gilt in Indien an Wahltagen striktes Alkoholverbot.

Also nutzen wir die Wartezeit bis zum nächsten Flug sinnvoller und gehen unseren morgigen Auftritt am NIT Trichy durch.

Gegen 18:30 geht es weiter nach Tiruchirappalli, unserer Endstation. Nach einer knappen Flugstunde in einer kuscheligen Propellermaschine, landen wir pünktlich und werden vom Fahrservice der Universität abgeholt und zum Hotel gebracht.

Nach dem Einchecken und einer kurzen Auffrischung, brechen wir direkt zum Abendessen in eine nahegelegene Bar auf.

Isi bestellt Weißwein. Zur Auswahl werden ihr allerdings zwei Flaschen Rotwein auf den Tisch gestellt. Nach ihrer Reklamation serviert man ihr eine warme Flasche Weißwein. In letzter Sekunde, kurz bevor die Flasche geöffnet wird, kann sie gerade noch intervenieren und bestellt eine kalte Flasche Weißwein. Fünf Minuten später die nächste schlechte Nachricht: Es gibt keinen kalten Weißwein. Also entscheidet sich Isi schließlich doch für Rotwein. Immerhin waren beide Rotweinflaschen, die man ihr zuvor präsentiert hatte, warm – sie geht also davon aus, dass sie damit auf der sicheren Seite ist. Als der Rotwein schließlich eintrifft und ins Glas gegossen wird, bildet sich sofort Kondensation am Glas. Der Wein ist perfekt gekühlt. Stolz berichtet ihr Kollege, dass er extra die kälteste Flasche Rotwein für sie ausgesucht habe. Isi steht kurz vor der Verzweiflung, beschließt aber, die Angelegenheit mit einem dankbaren Lächeln unkommentiert zu lassen. Die Wärme in der Bar wird das Problem sicher bald lösen.

Mit je einer halben Flasche Whisky und Rotwein (inzwischen warm 🙂), verlassen wir halb 12 die Bar und fallen müde in unsere Betten.

Samstag:

Tiruchirappalli: Um 8 Uhr brechen wir zum NIT Trichy auf, und bereiten uns auf einen langen Tag mit vielen Interviews vor, um unseren technischen Nachwuchs für Hilti zu finden.

Die Studis, die sich für unser Programm beworben haben

Am Vormittag gibt es eine Firmenpräsentation mit offener Fragerunde und einem anschließenden Quiz.

Isi bei dem Versuch, den Studis die Firma schmackhaft zu machen 😉
Preisverleihung für die Quizgewinner
Eine leckere südindische Stärkung zum Mittag

Vadodara: Cliff verbindet heute das nötige mit dem angenehmen und erledigt ein paar Wege mit seinem neuen Lieblings-Spielzeug.

Unsere im August gekauften Bilder in Udaipur bekommen heute einen Rahmen
Zum Abendessen eine kleine Stärkung bei einem Kollegen – gegessen wird in Indien häufig auf dem Boden
Stau
Am Abend sichere Ankunft in unserer Tiefgarage

Tiruchirappalli: Nach unzähligen Gesprächen, haben wir abends halb 10 aus über 100 Kandidaten die 6 Studierenden ausgewählt, die ab August 2027 ein Traineeprogramm bei Hilti absolvieren werden.

Unter den 6 Auserwählten ist auch eine junge Lady, über die Isi sich besonders freut
Das glückliche Ende eines langen Tages

Nach getaner Arbeit düsen wir zurück zum Hotel. Beim Durchgehen der abendlichen Optionen, herrscht mal wieder das übliche indische Chaos. Auf dem Weg zum Hotel beschließen wir, direkt bei Ankunft ein Bier in der Hotelbar zu trinken, anschließend den von gestern übrigen Alkohol auf einem der Zimmer zu trinken (man sollte nicht meinen, dass wir alle Erwachsen sind…😉), um anschließend zum Dinner zu gehen. Nach 3 Minuten Planänderung: wir lassen das Bier aus, machen uns kurz frisch, trinken im Anschluss direkt den übrigen Alkohol auf einem der Zimmer und gehen dann in die Bar von gestern. Gesagt getan, Isi begibt sich auf ihr Zimmer und wartet auf die nächsten Anweisungen per Gruppenchat, um zu erfahren, auf welchem Zimmer die Versammlung stattfinden wird. In der Zwischenzeit verpasst sie einen Anruf aus der Gruppe, hält ihn aber für nicht relevant, als es nach wenigen Minuten hektisch an ihrer Zimmertür klopft. Es ist ihre Kollegin, die mit den 2 übrigen Flaschen Alkohol vor ihrem Zimmer steht und ihr aufgeregt mitteilt, dass wir sofort zu der Bar aufbrechen müssen, weil diese um 23 Uhr schließt, uns somit nur noch knapp 30 Minuten bleiben und die Bar uns freundlicherweise erlaubt hat, den Alkohol von gestern wieder mitzubringen. 😃 Die Männer sind natürlich schon längst in der Bar, wenn sie bei anderen Dingen nur ebenso flink und energisch wären…

Offizielles Straßenschild auf dem Weg zur Bar

Somit gibt es heute ein schnelles Dinner inklusive Speed-Drinking, bevor wir gegen Mitternacht müde in unsere Betten fallen.

Und so neigt sich eine sehr ereignisreiche Woche mal wieder in Windeseile dem Ende entgegen…

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