Sonntag:
Die Nacht hat ein frühes Ende, weil unsere Klimaanlage den Geist aufgegeben hat und es zu heiß im Schlafzimmer geworden ist. Zum Glück bringt Cliff sie wieder zum Laufen, sodass wir später noch ein Mütze Schlaf nachholen, da der Abend gestern sehr spät endete.
Montag:
Heute ist Isi’s erster offizieller Tag in ihrer neuen Rolle als Entwicklungsleiterin. Direkt am Morgen ruft unser Werksleiter Giri zu einer Versammlung, um die Organisatoren und Helfer des Martin Hilti Besuchs von letzter Woche zu würdigen. Er geht durch eine kleine Bildershow und reflektiert den Tag. Direkt zu Beginn des Besuchs von Michael Hilti gab es ein Baumpflanz-Event, bei dem einer der Kollegen Michael Hilti zwei linke Handschuhe gereicht hat, was ihm sehr unangenehm war. Darüber berichtet Giri auch während des Meetings. Isi fällt dazu nichts besseres ein, als den Indern zu erzählen, dass man im deutschsprachigen Raum über eine Person, die man zu nichts gebrauchen kann, sagt, sie habe zwei linke Hände. Das macht die indischen Kollegen sehr betroffen und Isi bemerkt, dass ihr kleiner Scherz offensichtlich nach hinten losgegangen ist… 🙈
Am Abend feiern wir mal wieder Abschied von Isi‘s Chef Satya.
Wir liegen bereits im Bett, als sich die ersten Vorboten des bald eintretenden Monsuns ankündigen. Aus dem nichts geht ein starker Sturm los, gefolgt von heftigem Regen und Gewitter.
Dienstag:
Nach dem gestrigen Unwetter gibt es einen sehr schönen Sonnenaufgang und wir sehen unseren ersten Regenbogen in Indien.

Überall auf den Straßen sieht man die Spuren des gestrigen Unwetters; abgebrochene Äste, tiefe Wasserpfützen und der herumliegende Müll hat sich noch chaotischer auf den Straßen verteilt.

Nach der Arbeit machen wir einen kurzen Abstecher zum Juwelier. Wir müssen relativ schnell feststellen, dass unser Geldbeutel für den pompösen indischen Schmuck definitiv zu klein ist. Der Laden ist sehr gut gefüllt, was darauf schließen lässt, dass es doch einige Leute mit ausreichend großem Geldbeutel in Indien gibt.
Abends erwarten wir zwei Servicetechniker für die Reparatur unserer Klimaanlage. Zu unserer großen Überraschung sind sie tatsächlich pünktlich. Leider können sie aber unsere Art Klimaanlage nicht instandsetzen und sie ziehen unverrichteter Dinge von dannen. Sie wollen aber jemanden schicken, der die Anlage reparieren kann. Wir setzen aber lieber mal nicht so viel auf diese Aussage. Glücklicherweise hat sich unsere Klimaanlage aber scheinbar eh eingekriegt und funktioniert seit dem Morgen wieder halbwegs vernünftig, weshalb der Service-Einsatz nicht ganz so dringlich ist.
Auch unser Bänker kommt abends wieder zu Besuch, weil es für jede Überweisung nach Europa zahllose Formulare händisch zu befüllen gilt. Es gefällt ihm wieder so gut, dass er gar nicht gehen will. Isi hat bei ihren Eltern daher einen geplanten Rettungsanruf bestellt, der aber leider aufgrund eines Missverständnisses wegen der Zeitverschiebung auf sich warten lässt.

Nachdem sich Isi zum Telefonieren ins Schlafzimmer geflüchtet hat, geht er dann doch irgendwann und wir bestellen uns zum Abendessen eine leckere Portion Momos, die wir im Bett verspeisen.

Mittwoch:
Heute geht es nach der Arbeit zu unserem Kollegen Chris, der nächste Woche zurück nach Österreich zieht und dem wir angeboten haben, seinen Monitor am Wochenende schonmal mit nach Zürich zu nehmen, weil er keinen Platz mehr für ihn hat. Außerdem kaufen wir ihm noch seinen Luftreiniger ab und er gibt uns noch zwei volle Tüten mit Küchenutensilien mit, die er nicht mehr benötigt.



Donnerstag:
Gestern Abend haben wir uns mit Hunde-Leckerlies ausgestattet, um ein „Objekt unserer Begierde“ auf uns aufmerksam zu machen. Isi macht sich morgens auf die Suche nach „Sir“ (wie wir ihn nennen) und sie wird auch prompt fündig. Leider ist er sehr scheu und kann sich auch nicht gut gegen die anderen Hunde behaupten, weshalb das Futter zu einem Kampf zwischen den Hunden führt und „Sir“ verängstigt davonzieht…

Nach der Arbeit haben wir eigentlich eine volle to-do-Liste, da es morgen Abend nach Zürich geht, aber nach einem Feierabendbier ist die Disziplin dahin und wir verbringen den Abend mit Essen, Pina Colada Experimenten mit unserem neuen Mixer, viel reden, lachen, lästern und ein bisschen Wäsche waschen.
Vor dem zu Bett gehen, kommen wir auf die glorreiche Idee zu testen, ob der Monitor unseres Kollegen überhaupt in unsere Koffer passt und wir müssen feststellen, dass wir uns ein wenig vermessen haben. Somit ist Cliff seither Besitzer eines neuen Monitors.

Freitag:
Nach dem gestrigen Schlendrian heißt es heute früh aufstehen. Um 5:30 Uhr ist Isi bereits auf dem Balkon und macht die Pflanzen bereit für unsere 1,5-wöchige Abwesenheit. Anschließend wird im Eiltempo gepackt und ab 7 ist Homeoffice angesagt, weil heute eine wichtige Deadline ansteht.
Cliff kümmert sich nach dem Aufstehen um die Reaktivierung unserer Bewässerungsanlage und fährt anschließend in die Firma. Am Nachmittag bringt Isi‘s Chef Satya noch eine 10 kg Tasche vorbei, die wir für ihn mitnehmen, da auch er heute seinen Flug nach Zürich hat und wir sowieso mit halb leeren Koffern reisen, da wir uns viel Platz für die Rückreise freihalten wollen.
An dem Gepäckstück, das wir für Satya mitnehmen, stellen wir mal wieder die Unterschiede zwischen den Kulturen fest. Satya und Isi hatten am Montag ganz lose verabredet, dass wir etwas Gepäck von ihm mitnehmen können. Seitdem hatten wir nichts mehr von ihm gehört und mit dem gestrigen Abend gingen wir davon aus, dass es sich wohl erledigt hat. Morgens halb 9 schreibt er aber Isi an und fragt, wann er vorbeikommen könne und wie viel Kg wir für ihn transportieren könnten. Isi sagt ihm, dass er entweder zwischen 10:30 -11:00 kommen kann oder zwischen 13:00 – 14:00, weil sie dazwischen in Meetings ist. Er sagt er komme bis 11:00, taucht dann aber nicht auf. Als es nach 14 Uhr und Isi bereits wieder in einem Meeting ist, war er immer noch nicht da. Kurz nach 2 kommt dann aber seine Frau vorbei, die die Tasche bei unserem Pförtner abgibt, der sie uns später vor die Tür stellt. Indischer Freestyle at its best…
Am frühen Abend gibt es noch ein sehr ergiebiges Blitz-Shopping in einer nahegelegenen Shopping-Mall und ein schnelles Abendessen (Dosa! 😍), anschließend flitzen wir nach Hause und packen hektisch die letzten Sachen, bevor wir halb 8 von unserem Taxi zum Flughafen abgeholt werden.

Der Flieger von Vadodara nach Delhi hat eine knappe Stunde Verspätung, glücklicherweise ist der Stop-Over in Delhi aber ausreichend lang.

Wir verabschieden uns für‘s erste von unserer liebgewonnen indischen 4-Millionen-„Kleinstadt“ Vadodara.

Ankunft in Delhi, da wir noch das Terminal wechseln müssen, wird die Zeit nun doch ein wenig knapp. Wir haben Glück und es läuft wie am Schnürchen: Gepäck, Taxi, kein Stau. Am Terminal angekommen, die Nachricht der Airline:

Somit bleibt ausreichen Zeit für 1-3 Bier, die Laune ist aber dennoch bei uns beiden ein wenig im Keller.

Samstag:
Nach einer weiteren Verspätung geht es um 5 Uhr morgens endlich los.

Weil einer unserer Sitze sich nicht zurückklappen lässt und der Fernseher ebenfalls nicht funktioniert, haben wir Glück und dürfen einen Platz in der Business Class ohne Aufpreis belegen, den wir uns im Wechsel teilen, um beide einen etwas erholsameren Schlaf als in der Economy zu bekommen. Gegen Ende des Fluges gibt es aber etwas Stunk, weil nicht die ganze Crew der Meinung ist, dass wir dieses Privileg ohne Aufpreis nutzen dürfen und so wird Isi zwei Stunden vor Landung freundlich aber bestimmt zurück auf ihren Platz in der Economy verwiesen.
Nach erfolgreicher Landung dürfen wir wieder einen Premium Abholservice durch Isi’s Mama genießen und so fahren wir erstmal nach Markdorf (über Konstanz mit der Fähre nach Meersburg) zu Isi’s Eltern.
Auf dem Weg durch Konstanz kommen wir in einer Siedlung vorbei, in der eine frühere sehr gute Bekannte von Isi mit ihrem Mann lebte und Isi fragt sich, wie es ihnen wohl geht und was sie so machen. Als wir an der Fähre in Konstanz stehen und auf die Zufahrt warten, wird Isi plötzlich aus einem Auto angesprochen, das neben uns in der Schlange steht. Es sind genau die Bekannten, an die Isi noch vor 10 Minuten gedacht hat! So haben wir während der Fährfahrt ein wenig Zeit, um uns gegenseitig auf den letzten Stand zu bringen und ihre 5-jährige Tochter, die es bei unserem letzten Treffen noch nicht gab, macht uns allen wieder deutlich, wie schnell die Zeit vergeht.

In Markdorf angekommen gibt es erstmal ein ausgedehntes Mittagessen, anschließend geht Isi mit ihrer Mama noch ein paar Besorgungen machen und die Männer legen sich eine Runde auf die faule Haut. Am Nachmittag genießen wir ein kleines Sonnenbad bei herrlichem Wetter auf dem Balkon, bevor abends eine gute Freundin der Familie aus Stuttgart mit ihrem Mann zu Besuch kommt. Wie es sich für echte Thüringer gehört, wird natürlich der Holzkohlegrill angeschmissen und es gibt Original Thüringer Bratwurst, die wir in Indien schmerzlich vermisst haben.

Müde, satt und glücklich schlüpfen wir anschließend ins Bett und freuen uns auf die nächsten Tage in der Heimat.
Und wer sich noch immer fragen sollte, wo in Vadodara wir denn nun eigentlich wohnen, hier die Auflösung des gestrigen Rätsels. 🙂
