Woche 14

Sonntag:

Der Tag in Mumbai startet früh mit einem wunderschönen Sonnenaufgang.

Guckuck

Anschließend gibt es ein ausgiebiges Frühstück und wir erkunden erneut das Hotel, es ist wirklich riesig und sehr schön eingerichtet. Es herrscht reges Treiben und viele Leute kommen auch einfach so vorbei, ohne dort zu übernachten, da das Hotel aufgrund seiner langen Historie und seiner Exklusivität im ganzen Land sehr bekannt ist. Leider hat es 2008 auch traurige Berühmtheit erlangt, als es – im Rahmen einer Anschlagserie auf ganz Mumbai – 3 Tage lang von pakistanischen Terroristen belagert wurde und der Anschlag 34 Menschenleben und 300 Verletzte forderte.

Ein Sitar-Spieler sorgt für die passende Atmosphäre
Prominenter Besuch war bereits vor uns da

Dann machen wir einen kurzen Mittagsschlaf, bevor wir nochmals zu einem schnellen Stadtbummel aufbrechen.

Die Roller, die die Straße zuparken, werden auch hier gnadenlos abgeschleppt

Nach dem Bummel gibt es einen kurzen Boxenstop in einer Bar, in der es die angeblich schärfsten Momos von ganz Indien gibt, „Momos from Hell“. Da Cliff sehr schärferesistent ist, wagt er den Versuch und bestellt. Sein Urteil fällt auf eine 6,5 von 10 auf seiner persönlichen Schärfeskala, immerhin der von ihm höchstangegebene Schärfewert seitdem wir in Indien sind. Man sieht ihm deutlich körperliche Merkmale der Schärfe an, er schwitzt stark und seine Augen werden feucht. Isi ist mutig und probiert einen halben Momo, er ist wirklich sehr scharf und die Schärfe wird mit der Zeit immer schlimmer, selbst als der Momo bereits seit einer Stunde verdrückt ist, klagt Isi immer noch über ein brennendes Gesicht.

Anschließend geht es zurück zum Hotel, wo wir kurz unser Gepäck abholen und per Taxi zum Flughafen düsen. Isi klagt noch immer über die Schärfe und die anhaltende Hitze am ganzen Körper, als Cliff plötzlich einen eigenartigen Ausschlag an ihrem Rücken feststellt – wie es scheint eine Reaktion ihres Körpers auf die Schärfe. 🙈

Nach einer Stunde ist alles wieder gut und es geht ab in den Flieger zurück nach Vadodara. Es war ein tolles Wochenende in Mumbai und wir kommen ganz bestimmt wieder!

In Vadodara angekommen geht es per TukTuk zurück nach Hause, wo wir den Sonntag gemütlich ausklingen lassen und uns mit der Reiseplanung für unsere anstehende Bali-Reise Anfang Mai befassen. Am Ende des Tages ist die erste Unterkunft gebucht und die Visa vermeintlich beantragt.

Im Vergleich zu Mumbai ist das Klima in Vadodara sehr heiß, dafür aber weniger feucht, was uns ein bisschen besser gefällt.

Montag:

Die Arbeitswoche startet ohne besondere Vorkommnisse.

Nach Feierabend ein neuer Anlauf für die Visa, da Isi für ihr Visum die Zahlungsfrist von 3 h versäumt und bei Cliff‘s Visum die falsche Mailadresse angegeben hat.🤦🏼‍♀️ Diesmal ist der Anlauf erfolgreich, der Reise steht also nix mehr im Weg!

Nun blieb nur noch die Frage zu klären, wie unsere Blumen während unserer Abwesenheit in der Hitze überleben können. Eine Selbstbewässerungsanlage ist schnell bestellt, allerdings finden wir nirgendwo ein passendes Adapterstück für den Wasseranschluss. Dank unseres 3D Druckers aber kein Problem.

Dienstag:

Morgens um 6, kurz nach dem Aufstehen, bestellt Isi 40 kg Erde für weitere Pflanzexperimente, die sie für das Wochenende geplant hat. Der Lieferservice in Indien ist wirklich eine grandiose Erfindung, die wir sehr ausgiebig nutzen!

Heute hat Cliff einen Innovationspitch an der Arbeit, bei dem man 15000 CHF für ein Projekt gewinnen kann, um die erste Machbarkeit der Idee nachzuweisen. Die Community kann abstimmen, Ende der Woche soll das Ergebnis verkündet werden. Neben Cliff‘s Idee gibt es Hilti-weit noch 5 weitere Ideen, wir sind gespannt auf das Ergebnis.

Choose the shape – not the tool

Am Nachmittag ist das monatliche Business-Update.

Abends erhalten wir unsere sehnsüchtig erwartete Möbellieferung: zwei Sofas, zwei Balkonstühle und ein Regal. Wir machen extra 17:30 Feierabend, um pünktlich um 18:15 zu Hause zu sein, weil für dann die Lieferung angekündigt ist. Da es aber scheinbar Probleme mit dem Transport gibt, treffen die 7 (!) Möbelpacker erst gegen 20:30 Uhr ein. Die Freude währt nur kurz: die Sofas sind dreckig, die Beine kaputt und stümperhaft angeschraubt und an einer Stelle ist der Stoff aufgerissen. Wir reklamieren beim Eigentümer des Möbelhauses, der verspricht morgen um 19 Uhr vorbeizukommen, um sich dem Problem anzunehmen.

Wie es sein sollte
Wie die indische Lösung aussieht…
Der aufgerissene Stoff, nicht groß, aber dennoch ärgerlich

Trotzdem sind wir optisch sehr zufrieden mit unserer Auswahl und hoffen, dass die Probleme bald aus der Welt geschafft sind.

Mittwoch:

Der Tag startet mit einem unschönen Ereignis. Auf dem Weg an die Arbeit stehen wir in einem starken Stau und kommen nur langsam vorwärts. Am Stauende sehen wir den Grund: es gab einen Verkehrsunfall, bei dem leider ein Mensch ums Leben kam. Da sich der Unfall vermutlich erst kürzlich ereignet hat, liegt der Mensch noch auf der Straße, immerhin mit einer Decke abgedeckt. Das Ereignis hängt uns den ganzen Tag noch ziemlich nach und wir bekommen die Tatsache, dass Indien weltweit das Land mit der höchsten Anzahl an Verkehrstoten ist, zum ersten Mal hautnah zu spüren.

Abends halb 9 kommen zwei Männer vom Möbelhaus vorbei, die unsere Sofas putzen sollen. Nach 5 Minuten stümperhafter Putzerei sagen sie uns, sie seien fertig. Das Ergebnis: Eines der beiden Sofas haben sie gar nicht gereinigt und das zweite Sofa hat immer noch lauter Flecken. Wir schicken sie weg und beschließen, lieber selbst Hand anzulegen.

Erschöpft vom Tag schlüpfen wir in unser Bett. Plötzlich überkommen uns Gelüste auf Schokolade und so klingelt es 8 Minuten später – abends halb 11 – an unserer Türe und wir gönnen uns ein köstliches Snickers.

Donnerstag:

Seit Wochen geht bei unserer Alkohollizenz nichts vorwärts. Der Personaler, der uns dabei unterstützt, ist eine ziemliche Trantüte und der Prozess an und für sich ist, wie alles in Indien, sehr umständlich und bürokratisch. Aber heute rückt es endlich wieder! Das Interessante dabei: ab jetzt läuft die Genehmigung unserer beider Lizenzen über Cliff, der als „Familienoberhaupt“ auch meine Lizenz verwaltet. So viel zum Thema Gleichberechtigung…

Um Arbeitssicherheit wird sich in Indien nicht groß gekümmert.

Abends halb 8 kommen wieder zwei Männer aus dem Möbelhaus mit 4 neuen Sofa-Füßen vorbei, somit sind jetzt immerhin die Füße wie sie sein sollen. Das Loch wird versucht stümperhaft zu vertuschen, indem sie den Stoff einfach etwas straffen und das Loch somit in einer der Falten verstecken. Einmal am Stoff gezogen, ist das Loch wieder prominent sichtbar. Wir schicken sie weg und hoffen auf eine Klärung mit dem Eigentümer am nächsten Tag.

Freitag:

Es wird immer wärmer und der Peak ist noch nicht erreicht.

Nach der Arbeit haben wir einen Termin bei der Bank, um die Konditionen für Geldtransfers nach Europa in Erfahrung zu bringen.

Cliff ist vor Abreise Isi‘s Style-Check entgangen und so ist diese modisch fragwürdige Kombination nun auf Indien‘s Straßen unterwegs…

Nach Hause geht es anschließend per TukTuk und es gibt wieder einiges zu sehen.

Straßenverkäufer
Ob er seine Wassermelonen heute wohl alle noch los wird? 🤔
Ein pelziger Sozius
Noch ein kurzer Einkaufs-Zwischenstopp

Zu Hause angekommen bestellen wir uns Abendessen und machen es uns gemütlich. Obwohl wir nun endlich zwei Sofas haben, liegt Cliff trotzdem lieber auf dem Boden.

Samstag:

Der Tag startet gemütlich mit selbstgemachtem Masala Tee auf dem Balkon.

Ein paar Sonnenstrahlen haschen, um die blasse Haut Stück für Stück an die Sonne zu gewöhnen
Jeden Tag wird es ein bisschen wärmer

Dosa im Selbstversuch, zweiter Anlauf. Immer noch nicht ganz so lecker wie von den Profis, aber wir kommen der Sache immer näher.

Die Reklamation beim Möbelhaus bezüglich des Lochs stößt auf wenig Verständnis. Da es sich nicht um einen Fabrikationsfehler handelt und es aufgrund eines „Missgeschicks“ beim Transport passiert ist, sieht sich der Eigentümer nicht für einen Ersatz verpflichtet. Wir geben nicht auf, schauen wir mal, was wir noch erreichen.

Selbstbewässerungsanlage in the making
Der Anschluss und die Schaltuhr sind im Bad, über das Fenster führt der Schlauch raus auf den Balkon
Installation und Stunde der Wahrheit – die Anlage funktioniert, nur mit dem Timing klappt es noch nicht so ganz

Am Nachmittag ziehen wir los, um weitere Pflanzgefäße für unsere Tomatensetzlinge zu kaufen.

Eindrücke von unterwegs.

In Indien wird alles mögliche per Lastenfahrrad transportiert
Fliegende Gemüsehändler

Abends wird gegärtnert. Um 21 Uhr hat es immer noch 32 Grad, aber mit dem Deckenventilator auf dem Balkon lässt es sich gut aushalten.

Zufrieden mit dem Ergebnis machen wir es uns auf unseren Sofas gemütlich und ruhen uns aus, um noch etwas Kraft für die neue Woche zu tanken.

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