Woche 9

Sonntag:

Wir räumen vormittags unsere Ferienwohnung und brechen Richtung Bodensee auf. Dort sind wir zum Mittagessen mit Isi’s Familie in einem Brauhaus in Tettnang verabredet. Wir nutzen nochmal die letzte Chance und gönnen uns einen Zwiebelrostbraten mit Kässpätzle.

Nach dem Essen wird erstmal eine Runde mit Onkel Cliff geblödelt.

Anschließend geht es zu Isi’s Eltern nach Markdorf, wo wir einen kleinen Verdauungsspaziergang machen. Jojo hat sichtlich Spaß mit ihrem neuen Bike.

Abends kündigt sich ein Freund zum Abendessen an. Wie erwartet dauert der Abend mal wieder länger als geplant (😇) und es wird eine kurze letzte Nacht für uns in Deutschland.

Montag:

Wir werden morgens mit einem wunderschönen Sonnenaufgang begrüßt.

Nach einem ausgiebigen Frühstück brechen wir Richtung Zürich Flughafen auf.

Cliff‘s Rucksack erweckt die Aufmerksamkeit des Security Personals, da er einen Staubsauger-Roboter im Handgepäck mitführt. Nach ausgiebiger Taschenkontrolle, darf der Roboter zum Glück mit nach Indien reisen. In Isi’s Rucksack befinden sich ein Kärcher Fenstersauger und ein Teil eines elektrischen Staubsaugers, was aber glücklicherweise ohne weitere Beanstandungen durchgewunken wird.

Einen Staubsauger-Roboter im Handgepäck sieht man sicher nicht alle Tage 😉

Kurz vor Abreise gönnen wir uns die letzte Dosis Rindfleisch für die nächsten 3 Monate.

Im Flugzeug angekommen, freuen wir uns über etwas mehr Beinfreiheit als bei den vorherigen Flügen.

Dienstag:

00:30 Uhr nachts kommen wir in Delhi an. Die Immigration läuft problemlos und wir fahren mit dem Shuttlebus zum 20 Minuten entfernten Terminal für Inlandsflüge. Beim dortigen Security-Check werden unsere beiden Taschen rausgezogen und wir bangen um unser Sauger-Equipment. Nachdem 4 verschiedene Sicherheitsbeamte unser Equipment inspiziert haben und Isi energisch erklärt, dass wir die Geräte unbedingt brauchen, weil wir erst frisch nach Indien gezogen sind, lassen sie Gnade walten und wir dürfen die Sachen mitnehmen.

4:50 Uhr geht es pünktlich weiter nach Vadodara, wo wir um 6:20 Uhr, nach knapp 19 h Reisezeit, endlich ankommen.

Heute mit getrennten Plätzen

Vom Flughafen aus nehmen wir ein Uber. Da das Gepäck nicht vollständig in das Auto passt, wird es kurzerhand ohne weitere Sicherung auf dem Dach platziert.

In unserer Wohnung angekommen, gönnen wir uns erstmal ein paar wenige Stündchen Schlaf.

Unsere Luftfracht kommt natürlich nicht wie angekündigt um 10 Uhr an. Auf Nachfrage wird uns zugesichert, dass wir die Lieferung heute zwischen 15:30 und 16:00 erwarten können, was auch tatsächlich passiert!

200 kg Luftfracht, die wir bereits sehnsüchtig erwartet haben

Cliff ist glücklich, dass es sein PC unbeschadet nach Indien geschafft hat.

Mittwoch:

Vor ein paar Tagen wurden wir von unserer Vermieterin darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Stromrechnungen monatlich per Post zugestellt werden und diese mit dem darauf befindlichen QR Code zu begleichen sind. Also machen wir uns auf die Suche nach unserem Briefkasten, von dem wir bisher nicht wussten, dass es ihn überhaupt gibt, und finden dort auch prompt einen ganzen Berg an Stromrechnungen.

Nun galt es nur noch zu klären, wie man ohne indisches Konto eine Rechnung begleichen kann und wie das Bezahlsystem überhaupt funktioniert. Daher schreibt Isi den Stromanbieter an, um einen Zahlungsaufschub zu erwirken und um die Zählernummer auf uns umschreiben zu lassen. Nach einem ergebnislosen E-Mail Ping-Pong werden wir an das lokale Büro oder alternativ eine Hotline verwiesen. Nach unseren Erfahrungen mit indischen Behördengängen, entscheiden wir uns für die Hotline und so ruft Isi frohen Mutes und gleichzeitig etwas angespannt bei der Hotline an: die Zahlungsfrist ist nämlich mit 20.03. vermerkt und unsere Vermieterin teilte uns mit, dass die Stromanbieter bei ausbleibender Zahlung kurzen Prozess machen und der Neuantrag nur über aufwändige Behördengänge vollzogen werden kann.

Nach einer indischen Bandansage und Ziffernoptionen, von denen Isi mit ihren paar gelernten Hindi-Fetzen glücklicherweise die richtige Ziffer wählt (es war die 9), wird sie auf Englisch umgeleitet und auch relativ schnell mit einer Service-Mitarbeiterin verbunden. Die Anrufqualität ist extrem schlecht, gleiches gilt für die Englisch-Skills der Dame. Als sie fragt, ob Isi nicht auch Hindi mit ihr sprechen könne, legt diese entnervt auf und vertagt das Problem auf den Abend. Immerhin bleiben ja noch eineinhalb Tage Zeit, um die Abschaltung des Stroms zu verhindern…

Auch der Abend führte zu keiner neuen Erkenntnis und so entschlossen wir uns dazu, unsere Vermieterin um die Übernahme der Stromrechnung zu bitten, da wir ihr ja bisher „nur“ die Kaution und schlappe 2 Monatsmieten schulden. #armabersexy

Donnerstag:

Die Vermieterin übernimmt glücklicherweise die Stromrechnung für uns und die Elektrizitätsversorgung für den nächsten Monat ist erstmal gesichert!

Auf dem Heimweg von der Arbeit lassen wir uns bei einer Bank absetzen, um etwas Bargeld von unseren europäischen Konten für das tägliche Auskommen abzuheben. Beim Betreten des Bankomat-Raums werden wir mit einem ohrenbetäubenden Alarm empfangen, der uns schlagartig in die Flucht treibt.

Die Bankangestellten, die kurz zuvor den Hauptbereich der Bank geschlossen haben und sich gerade auf den Heimweg machen, teilen uns mit, dass wir uns keine Sorgen machen sollten, und dass wir einfach eintreten könnten, weil der Alarm eh in 3 Minuten aufhören würde und dass das ganz normal sei. Isi’s Apple-Watch ist da anderer Meinung:

Nachdem der Maximalbetrag von 10000 Rupees (100 €) nicht verfügbar war und Isi sich daraufhin auf dem Display verdrückt, spuckt der Automat ihr 100 Rupees (1 €) aus und berechnet ihr zum Dank noch eine Bearbeitungsgebühr von 250 Rupees (2,5 €).

Auf dem Heimweg von der Bank, weht uns bereits ein ungewöhnlich starker Wind entgegen, zu Hause angekommen erleben wir unser erstes indisches Gewitter mit anhaltendem Regen.

Freitag:

Zum Frühstück können wir oft eine Affenbande beobachten, die auf dem gegenüberliegenden Dach ihr Unwesen treibt. Von tobenden Babies bis gemütlichen Senioren ist alles dabei und es macht immer wieder Spaß, den Affen zuzuschauen.

Das gestrige Gewitter hat die Luft herrlich geklärt und uns erwartet ein frischer Morgen bei strahlend blauem Himmel. Das Wasser steht auch morgens noch auf den Straßen, obwohl der Regen noch gar nicht sooo stark und anhaltend war. Wir sind gespannt auf die Regenzeit und können uns zum ersten Mal vorstellen, dass es nicht unüblich ist, dass es die Krokodile aus den Flüssen auf die Straßen der Stadt schwemmt, weil das Wasser einfach nicht abfließen kann.

Eindrücke unseres Arbeitswegs, unser neuer Fahrer kennt eine ganz besonders abenteuerliche Abkürzung, die uns über Stock, Stein, Land und Felder führt, heute haben wir sogar einen Transport-Elefanten gesehen, der von einem Mann geritten wurde, leider hat es aber nicht für ein Foto gereicht.

Hier wohnen Leute in Zelten

Heute machen wir bereits um 16 Uhr Feierabend und läuten das Wochenende mit einem kleinen Sonnenbad in unserer Wohnung ein.

Nachdem am Abend zwei Bestellversuche ins Nichts laufen (1. Versuch: der Fahrer storniert kurz vor dem Ziel die Bestellung, 2. Versuch: das Restaurant ruft an und teilt uns mit, dass ihr gesamtes Sortiment leergekauft ist…), ziehen wir los und gehen in einem nahegelegenen Restaurant zum Abendessen, der „Aufwand“ hat sich mehr als gelohnt!

Nepalesische Momos
Paneer Momos
Vegetarische Sizzlers mit Momos
Cliff möchte nicht mit auf‘s Bild, deshalb muss Isi ihn unkenntlich machen

Auf dem Heimweg macht Isi erste vorsichtige Annäherungsversuche zu den hiesigen Friseuren.

Der Dutt hätte eine Runderneuerung schon mal nötig, die Not ist aber noch nicht ausreichend groß

Zuhause angekommen spielt selbst unser sonst so zuverlässiger Staubsaugerroboter „Mc Dreamy“ verrückt, reißt seine eigene Ladestation beim Saugen aus der Steckdose und nimmt sie mit auf eine kleine Spritztour durch die Wohnung.

Mc Dreamy fühlt sich in Indien young, wild & free

Samstag:

Isi hat aus Europa irgendeinen grippalen Infekt mitgebracht, mit dem sie sich bereits durch die ganze Woche geschleppt hat, pünktlich zum Wochenende schlägt er voll zu und deshalb lassen wir es heute ganz gemütlich angehen und bleiben bis mittags im Bett.

Nach dem Aufstehen wird gefrühstückt, es gibt indische Papads mit importiertem Schweizer Käse.

India meets Switzerland

Dann machen wir uns an das Kisten auspacken und Wohnung putzen. Isi hat sich wieder aufgerappelt und nimmt sich die Küche vor.

Am Nachmittag kommt die Affenbande wieder vorbei, besonders süß ist das kleine Äffchen, das sich an einem Kabel zu den anderen Affen auf das Dach hochzieht.

Als wir es uns abends gerade im Bett gemütlich machen wollen, gibt es plötzlich einen lauten Knall und in unserem ganzen Komplex fällt der Strom aus. Als sich nach 45 Minuten noch immer nichts tut, bereiten wir uns schonmal mental auf eine Nacht ohne Klimaanlage vor und beschließen, unsere Eisvorräte aus dem Gefrierfach lieber zu Essen anstatt sie dem sicheren Hitzetod zu überlassen (2 Eis für jeden! 😍).

Auf geht‘s in eine spannende neue Woche…!

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