Sonntag:
Wir bleiben auch zum Frühstück in der italienischen Küche und starten den Tag mit leckerem geröstetem Burrata-Brot und Wassermelonen-Feta-Salat. Nur die vermeintliche Balsamico-Creme erinnert eher an BBQ-Sauce, aber das lassen wir durchgehen. 🙂

Danach gehen wir mal wieder Haushaltsbedarf shoppen, um unsere Wohnung aufzumöbeln, unter anderem „Der Gerät“: Der Gerät schläft nie, ist immer vor dem Chef da, macht nie Pause und beschwert sich nicht:

Der Sanitär kommt wieder, es gelingt ihm, eine der Toiletten zu reparieren, bleiben nur noch 3 undichte Toiletten…

Dann geht es an die Grundreinigung der Wohnung, das „proper Cleaning“ à la India entspricht nicht ganz unseren Ansprüchen.


Abends geht es noch auf den Markt



Wir bleiben unserer Linie treu und beenden den Sonntag italienisch mit selbstgekochter Pasta

22:15 klingelt es überraschend an der Tür, es ist der Makler, der offensichtlich vom Vermieter aufgescheucht wurde, nachdem wir uns über die Zustände in der Wohnung beschwert haben (undichte Toiletten, inkl. Wasserschaden beim Untermieter, kein Warmwasser in der Küche, Schmutz,…)
Er nimmt die Mängel auf und bestätigt uns, dass am Dienstag nochmal eine Reinigungsfirma kommen wird und dass die übrigen Mängel im Lauf der Woche beseitigt werden.
Montag:
Nachdem wir die ersten Wochen mit unserem eigenen Taxi täglich an die Arbeit gefahren sind, haben wir seit heute eine Fahrgemeinschaft mit den anderen 3 Expats.
Für abends 19 Uhr hat sich der Sanitär angemeldet, natürlich erscheint er nicht. Er schickt uns aber um 22 Uhr eine Nachricht, die uns wohl sagen soll, dass er erst am Wochenende kommt.

Tägliche Hindi Stunden gehören seit Ankunft zu Isi’s Routine, das Devanagari Alphabet stellt sie vor Herausforderungen, Stand heute beherrscht sie 26 Buchstaben, im Hotel wurde fleißig Hindi mit dem Personal geübt, jeder neu gelernte Satz stieß auf äußerstes Entzücken aller Anwesenden, ab jetzt muss sie neue Opfer finden.


Dienstag:
Der Tag startet mit blauem Himmel und hübschen Schäfchenwolken

Um 7 Uhr morgens warten wir gespannt auf die Putzkolonne, die uns am Sonntag vom Makler versprochen wurde, natürlich kommt aber niemand.
Verbotsschilder werden hier eher als Empfehlung wahrgenommen.

Heute hilft Cliff in der Prototypen-Werkstatt, unsere Anlagen auf Vordermann zu bringen. Wie immer ist er mittendrin statt nur dabei und mit vollem Elan am Werk.


Nach Feierabend bestellen wir zum ersten Mal per Lieferdienst unsere Lebensmittel. Nach nur 15 Minuten wird geliefert und wir sind von der Qualität sehr positiv überrascht. Cliff steht noch Modell für das obligatorische Selfie mit dem Lieferfahrer, dann kann es losgehen mit Kochen.
Seit Tagen bekommt Cliff von verschiedensten Nummern Anrufe, die Personen bieten ihm Maschinen-Demos bei uns zu Hause für die neu gekauften Geräte an. Wir lehnen dankend ab, da wir zum Glück wissen, wie man einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine bedient.
Da es in Indien an der Tagesordnung ist, zahlreiche Spam-Anrufe zu erhalten, gibt es Apps, die einem verraten, ob die anrufende Nummer vertrauenswürdig ist oder nicht. Cliff überprüft einen der zahlreichen Anrufer, der ihm Produkt-Demos für unsere Bosch-Waschmaschine anbietet, er scheint tatsächlich das zu sein, was er verspricht. Wir amüsieren uns über die offizielle Bezeichnung, da es in Indien keinen „sch“-Laut gibt. 🙂

Mittwoch:
Die Straße vor unserem Werk ist eine beliebte Pilgerstrasse für Kühe, Autos und Kühe haben bekanntermaßen auf Indiens Straßen eine friedliche Koexistenz. Cliff korrigiert: Es sind Büffel. 😉

Die Kontraste Indiens in einem Bild vereint: Arbeiter, die mit ihren abgenutzten Arbeitsgeräten (Diamantbohrkronen, leider nicht von Hilti) auf fragwürdige Weise auf dem Heimweg sind, vor einem Plakat, das Werbung für ein luxuriöses Golf-SPA macht.

Zum Abendessen gibt es heute indisch inspirierte Bratkartoffeln.

Donnerstag:
Neuer Tag, neuer Tee-Spot für Cliff. 🙂



Heute früh auf dem Weg an die Arbeit kam Isi auf die spontane Idee, am Wochenende wegzufahren. Sie erinnert sich an die Flitterwochen, wo ihr ein Inder von einem kleinen Bundesstaat Namens Daman und Diu berichtet hat, eine ehemalige portugiesische Kolonie in Indien, die direkt an unseren Bundesstaat Gujarat angrenzt und am Meer gelegen ist. Der Vorschlag stößt bei Cliff auf offene Ohren und so wird nicht lange gefackelt, ein Hotel ausgewählt und ein Taxi organisiert, das uns morgen um 14:30 Uhr abholt. Das Taxi inkl. Fahrer, Benzin, Maut sowie Kost & Logis für den Fahrer kostet uns von Freitag – Sonntag für eine Strecke von 500 km gerade mal 125 €. Dass es in Daman Alkohol gibt und es für seine Partyszene bekannt ist, ist natürlich reiner Zufall und hatte nichts mit unserer Entscheidung für dieses Reiseziel zu tun.
Abends halb 9 ziehen wir los, um noch ein paar Dinge für die Wohnung einzukaufen und Abendessen zu gehen. Cliff war schon beim Einkaufen hangry und bestellt im Restaurant fröhlich drauf los. Nachdem Isi‘s Essen schnell serviert wird, beschleicht sie bereits nach kurzer Zeit der Verdacht, dass Cliff‘s Essen heute nicht mehr zubereitet wird, da die Köche bereits laut klappernd die Töpfe und das Kochbesteck putzen. Cliff ist weiterhin optimistisch und tut Isi’s Verdacht mit einem Handwisch ab. Nachdem weitere 5 Minuten später die Küchensicherung ausgeschaltet wird, herrscht nun bei allen Anwesenden die Gewissheit, dass heute kein Essen mehr für Cliff auf den Tisch kommt. Kurz vor dem aus der Haut fahren, erklärt Cliff der Bedienung nochmals seine Bestellung, die Küchensicherung wird schnell wieder eingeschaltet und er hat 10 Minuten später ein sehr feines Essen auf dem Tisch, für das sich das Warten gelohnt hat. Cliff ist besänftigt und wir machen uns auf den Heimweg.
Freitag:
Wir starten den Tag voller Vorfreude auf unsere anstehende Reise. Isi arbeitet heute zum ersten Mal seit Ankunft im Homeoffice und Cliff versucht nochmal auf eigene Faust sein Glück bei der Aadhaar-Behörde.
Der Ausflug zur Behörde war erwartungsgemäß enttäuschend, aber immerhin kennt Cliff nun endlich die Öffnungszeiten und will sein Glück gleich am Montag nochmal probieren.


Gegen Mittag klingelt es an der Tür und zu unserer großen Freude und Überraschung wird unser Bett geliefert! Cliff macht sich direkt ans Werk und baut es auf. Wir sind sehr zufrieden mit unserer Auswahl.


Pünktlich um 14:30 steht unser Fahrer bereit für unseren kleinen Roadtrip. Der Highway ist überraschend gut ausgebaut und es herrscht sehr wenig Verkehr. Wir freuen uns über die idyllische Ruhe, weil wir das notorische Gehupe aus dem dichten Stadtverkehr für einen Moment hinter uns gelassen haben.
An dieser Stelle eine lustige Side-Story: unser ungarischer Kollege macht mit den Taxifahrern immer ein Spiel. Er sagt ihnen, wenn sie die ganze Fahrt über nicht hupen, bekommen sie 500 Rupees von ihm. Bisher hat es keiner geschafft… 😂

Isi macht während der Fahrt Work & Travel, das Meeting ist aber sehr ermüdend, wie unschwer zu erkennen ist.

Unterwegs ziehen schöne Landschaften an uns vorbei:

Tankstopp, wir müssen aus Sicherheitsgründen aus dem Auto aussteigen, da mit Gas getankt wird. Isi setzt ihre Arbeit unbeirrt fort.

Vor Ort angekommen, wollen wir uns direkt ins Nachtleben stürzen und freuen uns auf unseren ersten kühlen Drink.

Zielsicher haben wir eines der alkoholfreien Restaurants ausgesucht. Da das Essen jedoch sehr gut aussieht, bleiben wir und verschieben unseren Drink auf später. Der Verzicht hat sich gelohnt. Es gab frittierte Lotus-Stiele (unglaublich gut!), Gemüsebällchen und eine sehr schmackhafte Pizza mit Büffelmozzarella.



Anschließend wollen wir noch eine Bar besuchen, stellen aber fest, dass die Bars nicht ganz unseren Vorstellungen einer Bar entsprechen. Es handelt sich um Blechverschläge, die nicht gerade zu einem gemütlichen Drink einladen. Wir beschließen also unsere Drinks to Go zu nehmen und machen uns auf den Heimweg.

Samstag:
Wir starten den Tag gemütlich mit einem Frühstück im Hotel, anschließend beginnen wir unser Day-Drinking-Programm und ziehen los, um die Stadt zu erkunden.

Unterwegs werden wir von diesen 2 Cuties abgepasst, es fällt uns schwer, sie nicht einfach direkt einzupacken und mit nach Hause zu nehmen.



Zwischenverpflegung darf nicht fehlen



Spucken verboten, das Verbotsschild steht zurecht, Kautabak ist hier weit verbreitet und dieser wird von den indischen Männern, ohne Rücksicht auf das Umfeld, ungeniert ausgespuckt. Pfui!

Dann geht es zum Sonnenuntergang an den Strand

Für schöne Bilder muss man Opfer bringen


Das Ergebnis kann sich sehen lassen

Ausgelassene Stimmung zum Sonnenuntergang





Die unschönen Seiten, sehr viel Müll wird angeschwemmt, interessanterweise kaum Plastikmüll, sondern vor allem Stoffe

Mit vielen neuen Eindrücken, gut gesättigt und leicht angeschwipst, geht es nach Hause, nachts übernehmen wie immer die Kühe die Hoheit auf den Straßen.


Das war Woche 6, voll von Erlebnissen und unzähligen neuen Eindrücken. In Woche 7 erwartet uns am Mittwoch ein wichtiger Feiertag der Hindus (Holi), eine Geschäftsreise von Isi nach Chennai und am Samstag geht es zum ersten Mal nach Hause für Cliff‘s vierteljährliche Kontrolle. Schauen wir mal, ob Isi ihre Reisen antreten kann, denn aktuell befindet sich ihr Reisepass noch in Mumbai, um unsere Luftfracht durch den Zoll zu bekommen. Könnte wieder eine aufregende Woche werden. 🙂