Sonntag:
Wir brechen nachmittags in den Supermarkt auf, um ein paar grundlegende Utensilien für die Wohnung zu kaufen. Vor dem Betreten des Supermarkts werden die mitgebrachten Taschen versiegelt, erst nach dem Bezahlen an der Kasse werden sie wieder geöffnet. Im Supermarkt herrscht reges Treiben und wir merken mal wieder, dass die Inder ein anderes Gefühl für höfliche Distanz haben als wir Europäer. Mehl wird in offenen Behältern verkauft, jeder fingert darin rum und keinen scheint es zu Jucken, außer uns… 😂

Heute ist für 17 Uhr die Wohnungsübergabe geplant, als wir 17:30 Uhr ankommen, sieht noch nix nach übergabebereiter Wohnung aus… Aber 6 freundliche junge Männer geben ihr Bestes, um die Putzarbeiten schnellstmöglich zu Ende zu bringen.

Wir genießen dennoch den ersten Sonnenuntergang in unserer Wohnung und warten auf unsere Waschmaschinen- und Kühlschranklieferung, die uns für 17 Uhr zugesagt wurde. 18:35 Uhr warten wir immer noch…

Die gespannten Netze vor Balkonen und Fenstern dienen dem Schutz vor Tauben, nicht sehr hübsch, aber leider unvermeidbar, da Tauben hier eine regelrechte Plage sind und sie frei zugängliche Balkone sonst sehr schnell für sich beanspruchen und ihre Hinterlassenschaften überall verteilen.
18:50 ist es endlich so weit! Waschmaschine, Trockner und Kühlschrank kommen an, die Freude währt nur kurz, Waschmaschine und Trockner passen nicht durch die Türen zur Waschküche und das Kabel vom Kühlschrank ist nicht lang genug für die Steckdose, die sich ganz oben an der Wand befindet. Mit Millimeterarbeit und etwas Angstschweiß passen die Waschgeräte am Ende doch, für den Kühlschrank muss eine Verlängerung gebaut werden, darum will sich unser Makler morgen kümmern.


Auf dem Heimweg entdecken wir, dass wir direkt neben unserer Wohnung einen kleinen hübschen Tempel haben, in dem gerade gebetet wird.

Montag:
Ein ganz normaler Tag ohne besondere Vorkommnisse, was den Tag wiederum doch besonders macht, weil es der erste dieser Art ist.
Isi hat auf dem Heimweg mal wieder einen schönen Juwelier entdeckt, abends recherchiert sie auf dessen Homepage und entdeckt die Live-Anprobe-Funktion, die auch Cliff begeistert. 😉


Dienstag:
Heute bringen wir unsere Matratze nach der Arbeit in unsere Wohnung. Am Morgen wollen wir sie in unser Taxi bugsieren, was sich aber zu einem unterhaltsamen und unmöglichen Unterfangen entwickelt. Nach 5 Minuten Zusehen, übernehmen Cliff und Isi, packen die Matratze aus dem Karton und legen sie in den Kofferraum, der zuvor für zu klein befunden wurde (wir sind jetzt noch der Meinung, dass die Matratze auch mit Karton in den Kofferraum gepasst hätte, aber okay…)

Während Isi die Matratze abends ausgiebig auf Herz und Nieren testet…


… schlägt Cliff sich mit den selbsternannten Internet-und Sanitär-Experten rum, was ihn an den Rande eines Nervenzusammenbruchs treibt, Isi kann es aufgrund der Geräuschkulisse selbst im Schlafzimmer live mitverfolgen.

Was nicht passt, wird versucht passend zu machen… Leider ohne Erfolg, wie die Wasserfontäne in der Waschküche kurze Zeit später attestierte.

Cliff schickt den Sanitär nach Hause und will sich morgen selber um das Problem kümmern. Das Internet funktioniert dafür tadellos. 🙂
Mittwoch:
Freude an den kleinen Dingen, die ersten Wolken, die wir seit unserer Ankunft in Indien bewusst wahrgenommen haben, sonst ist es wolkenlos oder smoggy, was die Inder aber lieber als „foggy“ bezeichnen.

Cliff wird abends im Aufzug des Hotels von einem jungen Inder angesprochen: „You look like you are coming from a cold place“ 😂
Letzter Abend im Hotel, wir bekommen Abschiedsgeschenke und einen Kuchen. Wir haben die Zeit im Hotel sehr genossen, vor allem wegen der Gastfreundschaft der Angestellten. Ab jetzt sind wir auf uns alleine gestellt, ob wir uns überhaupt noch selbst um uns kümmern können nach 5 Wochen Rundum-Service?



Wir freuen uns aber auf das neue Kapitel in unserer eigenen Wohnung und packen spät abends mit großer Vorfreude unsere Koffer.
Donnerstag:
Heute geht es mal wieder zu einer Behörde, um unsere Aadhaar Karte zu beantragen, diese Karte dient dem Identätsnachweis, mit ihr bekommt man mehr Rechte und wir benötigen sie auch, um später an die in Indien eingezahlten Sozialleistungen zu kommen, wenn wir das Land wieder verlassen. 9 Uhr sind wir an der Hilti-Rezeption verabredet, 9:30 Uhr trudelt unser Begleiter aus der Personalabteilung langsam ein und es kann losgehen.



Nachdem wir 3 Stunden in der Behörde verbracht haben, müssen wir leider wieder unverrichteter Dinge von dannen ziehen, da „technical issues“ uns einen Strich durch die Rechnung machen. Demotiviert machen wir uns auf den Weg zurück an die Arbeit.

Abends offizieller Einzug in unser neues Heim, aus Hotelzimmer 302 geht es in Appartement 302.

Die einzige verfügbare Kalorienquelle in unserer Wohnung ist das Bier, das wir am Vorabend schonmal vorsorglich in unseren Kühlschrank gestellt haben. Nach zwei Bier sind wir satt, leichtsinnig und unsere sorgfältig geschmiedeten Pläne für den Einzugstag erscheinen plötzlich nicht mehr so wichtig und wir genießen einfach den ersten Abend auf unserem Balkon.

Freitag:
Die erste Nacht in der Wohnung war schön und wir haben gut auf der neuen Matratze geschlafen. Nachdem es aber gestern Abend leider nicht bei den zwei Bier geblieben ist, gucken wir heute beide etwas verknittert aus der Wäsche und freuen uns nicht sonderlich auf den langen Tag, der vor uns liegt.
Seit unserer Ankunft stellen wir zu gewissen Tageszeiten große Völkerwanderungen der Hilti-Mitarbeiter zu einem ominösen Ort außerhalb des Werksgeländes fest. Heute schließt sich Cliff an, um mehr über das Ziel zu erfahren. Wie sich herausstellt, gibt es in der Nähe des Werks einen kleinen Kiosk, der Tee und einzelne Zigaretten verkauft, der sich als sehr beliebter Pilgerspot und Zeitvertreib zahlreicher Hilti-Mitarbeiter herausstellt. Natürlich wird auch immer ordnungsgemäß ausgestempelt vor Verlassen des Geländes, damit die Teepause nicht unter Arbeitszeit fällt… 😉

Heute fällt nach 5 Wochen der erste, kurze, aber sehr intensive Regen.
Abends bekommen wir überraschenderweise bereits unseren Esstisch geliefert, der eigentlich erst am 26.02. kommen sollte.

Die Farbe war auf der Homepage viel heller dargestellt, aber solche Überraschungen lassen uns inzwischen nur noch müde lächeln und wir freuen uns einfach, dass wir endlich wieder einen Esstisch haben.
Unser neues Heim bei Nacht von außen, ganz schön groß, hier haben knapp 120 Parteien Platz, es fühlt sich aber gar nicht so groß an, da sich die Wohneinheiten auf 3 Eingänge verteilen und es pro Etage immer nur 2 Wohnungen gibt.

Samstag:
Heute früh klingelt es an unserer Tür, es ist der Nachbar von unten, der sich über austretendes Wasser an seiner Decke beklagt, das offensichtlich von uns kommen muss. Es wird ein Sanitär bestellt, dieser muss leider unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen, weil er nicht das richtige Werkzeug dabei hat und will morgen wiederkommen.
Unsere Esszimmerstühle werden erfreulicherweise auch 1 Woche zu früh geliefert, passen mit ihren Armlehnen aber leider nicht unter den Tisch. 🙈 Naja…
Dafür ist das Chaos bereits nach weniger als 24 Stunden auf dem Tisch eingezogen. Ist aber zu unserer Verteidigung gerade auch die einzige Ablagefläche.

Am Nachmittag ziehen wir los und gehen verschiedene Accessoires und Haushaltsbedarf kaufen. Wir werden permanent von 3-4 Angestellten verfolgt, die versuchen, unsere Bedürfnisse bestmöglich zu erkennen und uns bei der Auswahl zu helfen. Die viele Aufmerksamkeit ist aber eher kontraproduktiv und stresst uns mehr als dass sie hilft. Nach 2 h haben wir soweit alles zusammen und verlassen mit vielen hübschen und nützlichen Dingen den Laden. Zuhause angekommen stellen wir fest, dass sie uns trotz 8-Augen-Prinzip den falschen Badläufer eingepackt haben, also nochmal zurück zum Laden und Umtausch einleiten…
Zwischendrin noch ein kleines Verkaufsgespräch mit einem Autohändler, sobald wir unsere Aadhaar-Karte haben, wollen wir uns nämlich ein Auto kaufen, wir gehen schonmal die Optionen ausloten.


Abends gehen wir italienisch Essen, eine willkommene Abwechslung zum hauptsächlich indischen Essen, das wir zwar auch sehr mögen, aber hin und wieder sehnen sich unsere Geschmacksknospen nach einem etwas anderen Geschmack.

Tschüss Woche 5, es war uns eine Freude mit dir, wir sind schon gespannt, was uns nächste Woche erwartet. 🙂




























































































































































